CD Rezension: Saltatio Mortis – Brot und Spiele (Deluxe Edition)

Die Spielleute von Saltatio Mortis sind zurück und präsentieren im Jahr 2018 „Brot und Spiele“. Auch wenn der Albumtitel eher auf ein historisch geprägtes Album deutet, zeigt schon das Cover, dass hier auch sehr moderne Themen verarbeitet werden. Hinzu kommt ein teilweise sehr modernes Klanggewand. Punkrock, Gesellschaftskritik und ein Schuss Mittelalter – so könnte man das wohl in Kürze auf einen Punkt bringen, was das Standardalbum bietet. Wer zur Deluxe greift, erhält allerdings noch eine zweite CD, die sehr viel stärker den mittelalterlichen Klang der Band transportiert. So heißt diese zweite CD dann auch „Ad Fontes“ oder übersetzt „zum Ursprung“.

Die erste CD beginnt mit akustischen Klängen durchaus mittelalterlich angehaucht. Intro und Opener gehen nahtlos ineinander über. Der Song „Große Träume“ wurde vorab veröffentlicht und dürfte daher vielen Hörern bereits im Ohr sein. Das Stück könnte sowohl musikalisch als auch textlich so wohl auch aus der Feder von Punkrockbands wie den Toten Hosen stammen. Ohne Zweifel beweisen Saltatio Mortis hier einmal mehr ihre Chart- und Massentauglichkeit. Die Mittelalterinstrumente sind hier, wie auch in vielen anderen Songs, aber eher nur schmückendes Beiwerk anstatt stilprägendes Element. So beinhaltet dann die erste CD auch überwiegend punkrockige Mid- und Uptempo Nummern. Trotz der recht harten musikalischen Gangart gehen einige Songs extrem unter die Haut bzw. lassen den Hörer bei genauem Hinhören erschaudern. Einer dieser Songs ist „Europa“. Auf lyrisch eindringliche Art und Weise wird hier auf den Niedergang des europäischen Gemeinschaftsgedankens hingewiesen. Ähnlich gesellschaftskritisch und gegen den Rechtsruck in der Gesellschaft gerichtet ist der Song „Besorgter Bürger“. Der Titel „Nie wieder Alkohol“ erinnert – bewusst oder unbewusst – an Songs der Ärzte. Der Punkrockkracher ist einfach nur eine Nummer zum Abfeiern.

Wie bereits erwähnt ist die zweite CD durchweg von akustischen und musikalisch mittelalterlich geprägen Songs durchzogen. Etwas gewöhnungsbedürftig klingt es, wenn Frontmann Alea in „Epitaph To A Friend“ plötzlich Englisch singt. Highlights der zweiten CD sind „Heimdall“ und „Tränen des Teufels“. Alles in allem ist die CD sehr stimmig und bildet ein in sich geschlossenes Werk, das wohl auch ohne Weiteres als Separates Album hätte veröffentlicht werden können.

Mit der ersten CD treffen Saltatio Mortis textlich wie musikalisch den Nerv der Zeit. Natürlich sind das nicht mehr der Sound und die Texte von „Aus der Asche“ oder „Wer Wind sät“. Aber egal ob man es nun gut findet oder nicht, eine Band kann und muss sich weiterentwickeln. Im Falle von Saltatio Mortis geht diese Entwicklung seit einiger Zeit in Richtung Punkrock und hin zu sehr aktuellen, gesellschaftskritischen Themen. Dass die Band hier ein Doppelalbum mit einer fast reinen mittalterlich geprägten Akustik CD vorlegt, wird die Fans früherer Alben versöhnlich stimmen. Alles in allem ist „Brot und Spiele“ ein recht massen- und radiotaugliches Album, das mit Songs wie „Große Träume“ und auch „Dorn im Ohr“ chartkompatible Kracher beinhaltet, die die Band weit nach vorn bringen können.

Anspieltipps:
Europa
Spur des Lebens
Heimdall

Tracklist:
01 Ein Stück Unsterblichkeit
02 Große Träume
03 Dorn im Ohr
04 Ich werde Wind
05 Europa
06 Spur des Lebens
07 Brot und Spiele
08 Nie wieder Alkohol
09 Träume aus Eis
10 Mittelalter
11 Brunhild
12 Besorgter Bürger
13 Sie tanzt allein

01 Präludium – Ad fontes
02 Heimdall
03 Drachentanz
04 Schon wieder Herbst
05 Epitaph To A Friend
06 Ad digitum prurigo
07 Herr Holkin
08 Raghs-e-Pari
09 Tränen des Teufels
10 Amo lem ad nauseam
11 Marselha
12 Volta
13 Mitt Hjerte Alltid Vanker

Label: Universal Music
Format: Audio CD
Genre: Punkrock/Mittelalter
VÖ-Datum: 17.08.2018
Webseite: http://www.saltatio-mortis.com

Rezension: Karsten Henze

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