Vinyl Review: Eisregen – Fleischfilm (ltd. Red Edition)

An dieser Band und ihren Alben scheiden sich die Geister. Früher war es entweder so, dass man die Band mit ihrem brutalen Metal-Sound und den grenzwertigen Texten mochte oder nicht. Das neue Album „Fleischfilm“ reiht sich hier in gewisser Weise ein und es ist doch anders. Es handelt sich um das erste echte Konzeptalbum, auf dem Eisregen den Horrorfilmen der 70er und 80er huldigen. Entsprechend blutrünstig fallen auch die Texte aus. Doch aufgrund seines speziellen Sounds spaltet dieses Album nun wohl auch die Fans, zumindest aber die Presse.

Während einige Reviewer das Album über alles loben, beklagen andere, dass ihm der Biss fehlt und es eben nicht mehr die grobe Black- und Death-Metal-Keule bietet. Selbst die Band sieht, dass sie ihren Fans mit dem Album ein ziemlich experimentelles Album vorgelegt hat. Aber was ist nun so anders?

Wer frühere Alben der Band wie „Rostrot“ oder „Blutbahnen“ kennt, der erwartet Blast-Beats, bitterböse Texte, die teils hart an der Grenze des guten Geschmacks kratzen und keifende Vocals von Sänger Blutkehle. Schneidend und bissig, mal düster und morbid und mal einfach nur durchgeknallt, das waren die Alben von Eisregen früher. Schon der Vorgänger „Marschmusik“ mit seinen durchgehend düsteren, von Kriegsthematik geprägten Songs war in dem Sinn eine Abkehr von früheren Alben. Der neue Longplayer entfernt sich nun auch musikalisch noch weiter von dem, was einmal typisch für Eisregen war. Vielmehr klingt Fleischfilm eher wie ein metallastiger Soundtrack. Das passt natürlich zur Thematik. Es ist Eisregen insgesamt auch gelungen, atmosphärische Songs zu produzieren, die durchaus an Kinosoundtracks erinnern. Allein der Funke will bei den ersten Durchläufen noch nicht so recht überspringen. Die Songs scheinen zunächst wenig eingängig, haben kaum einprägsamen Refrains oder mitreißenden Passagen. Wer keinen Bezug zu den Filmen hat, der wird nur recht schwer Zugang zu den Songs finden.

Wer das ein oder andere Album von Eisregen kennt, der wird in den Songs von „Fleischfilm“ immer wieder Textschnipsel finden, die so oder so ähnlich schon mal verwendet wurden. Dennoch drängt sich immer wieder beim Hören des neuen Werkes die Frage auf, wo ist der Biss und wo der fiese, sarkastische, schwarze Humor alter Tage? Nach dem ersten Durchlauf bleibt keiner der Songs im Ohr. Zuweilen fühlt man sich aufgrund der gemächlich, rockigen Musik wie auf einem Album von Ewigheim mit dem Gesang von Blutkehle M. Roth. Hat man die Scheibe dann aber mehrfach gehört, stellt sich doch ein gewisser Ohrwurmeffekt ein. Insbesondere die Songs „Satan der Rache“ mit seinem sehr speziellen Western-Charme sowie „Tiefrot“ mit dem langsamen, aber eindringlichen Klang und das schräge „Syndikat des Schreckens“ sorgen für Begeisterung.

Man spürt deutlich, dass Eisregen musikalisch gereift sind und es muss auch nicht immer nur stupides Geballer sein. Trotzdem hätte dem Album an der ein oder anderen Stelle ein fetter Hyperblast gut getan, um mal die Handbremse zu lösen und den aktiven Hörern zumindest ansatzweise eine Lockerung der Nackenmuskeln zu ermöglichen.

Ist das Album also gut oder nicht? Diese Frage lässt sich nicht einfach mit ja oder nein beantworten. Wer auf beißende Texte und brachiale Metalsounds steht, der wird hier sicher nicht vollkommen glücklich. Fans der Band, die auch mit den Horrorfilmen der 70er und 80er etwas anfangen können und auf getragene, atmosphärische Metalklänge stehen, werden an der Scheibe ihre Freude haben. Das Fazit lautet also vor dem Kauf unbedingt reinhören! Die Scheibe braucht etwas Zeit, um zu gefallen.

Die hier getestete Vinyl-Pressung beeindruckt durch fetten Klang und kommt (zumindest in der limitierten Auflage) in transparent roter Farbe auch optisch sehr passend daher. Einige Infos zu den Filmen, auf die Bezug genommen wurde, wären nett gewesen. Auch ohne dies macht die Scheibe einiges her im Regal und geht nach einer Weile gut ins Ohr!

Anspieltipps:
Tiefrot
Syndikat des Schreckens
Satan der Rache

Tracklist:

01 Drei Mütter
02 Hauch des Todes
03 Jenseits der Dunkelheit
04 Die letzte Reise des Alan Yates (Metamorphose 2)
05 Auf den Spuren der Säge
06 Tiefrot
07 Nahe der Friedhofsmauer
08 Menschenfresser
09 Syndikat des Schreckens
10 Im Blutrausch
11 Satan der Rache
12 Nachts kommt das Delirium (Bonus Track)

Label: Massacre (Soulfood)
Format: Vinyl (farbig, rot)
Genre: Dark Metal
VÖ-Datum: 05.05.2017
Webseite: http://www.fleischhaus.de

Rezension: Karsten Henze

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