CD Rezension: Eden Weint Im Grab – Na(c)htodreise

Nachdem die Fans im vorhergehenden Album bereits die „Jenseitsflugmaschine“ besteigen durften und mit dem „Nachtexpress nach nirgendwo“ reisten, laden Eden Weint Im Grab die Fans auf ihrem neuen Konzeptalbum auf eine „Na(c)htodreise“ ein.

Die Berliner Dark Metal Band nimmt die Hörer mit auf eine musikalische und poetische Reise. Jedes Lied ist ein eigenes musikalisches Kleinod. Aber das ist nicht alles! Bereits der Titel offenbart eine interessantes Wortspiel. Nahtod oder Nachtod… Dies ist bei weitem nicht die einzige Stelle, an der sich der Hörer fragen muss, wie er den Text zu deuten hat. Ernst gemeinte Schauergeschichten und schwarzer Humor verschwimmen zum Teil. Hier treffen inhaltlich Edgar Allan Poe und Tim Burton aufeinander. Wer beide mag und zudem noch auf düsteren Metal gepaart mit Kammermusik steht, der ist goldrichtig beim neuen Album von Eden Weint Im Grab.

Musikalisch offenbart jeder Song seinen eigenen Charakter, so dass man kaum alles beschreiben kann. Eines der musikalisch hervorstechendsten Lieder ist „Die verwaiste Wüstenstadt“. In diesem Song kann der Hörer geradezu das Flimmern der Hitze vor dem geistigen Auge erblicken. Geschickt werden hier Klänge eingebaut, die auch direkt aus dem Soundtrack eines Western stammen könnten. Dabei gelingt es Eden Weint Im Grab dennoch, diesem Song ihren ganz eigenen klanglichen Stempel aufzudrücken. Überhaupt wirkt das gesamte Konzeptalbum sehr homogen. Dabei ist das was hier geboten wird alles andere als eintönig. So musikalisch ausgefeilt und vielseitig war  bisher noch kein Album von Eden Weint Im Grab. Leise Klänge, Flüstern und kammermusikalische Instrumente wie Cello, Violine, Bratsche und Mandoline sind ebenso vertreten wie Schlagzeug, E-Gitarren und teils keifende Gesangsparts. All dies zu einem schaurig-schönen Werk zu vereinen, macht es erst zu großer Kunst. Mit 70 Minuten Spielzeit und 15 Titeln hat das Album einiges zu bieten. Um alles zu erfassen braucht es mehrere Durchläufe. Wie bereits auf den „Geysterstunden“ sind auch diesmal wieder zwei Stücke mit Hörspiel-Charakter dabei. Diese geben dem Werk noch mehr Tiefe und zeigen, dass die Texte der Band wohl auch für ein Gruselhörspiel sehr gut geeignet wären. Wer bereits frühere Veröffentlichungen der Band kennt, wird sich musikalisch wie lyrisch zuhause fühlen. Die Band hat sich mittlerweile einen unverkennbaren klanglichen und lyrischen Charakter zugelegt. Im Vergleich zu den Vorgängeralben haben die Berliner bei „Na(c)htodreise“ an Härte noch eine Schippe draufgelegt, ohne dass der typische Grusel-Sound verlorengeht. Optisch wird das Werk von Zeichnerin Nina Berger würdig in Szene gesetzt. Sie hat zu jedem Track einen  individuellen Scherenschnitt angefertigt.

Ende März, wenn die Tage schon wieder etwas heller und freundlicher werden, erscheint mit diesem Album ein echtes Dark-Metal-Highlight, dass seine Hörer in eine dunkle Welt entführt. Unzweifelhaft kann man schon jetzt sagen, dass „Na(c)htodreise“ von  Eden Weint Im Grab zu den besten Veröffentlichungen im Genre Dark Metal im Jahr 2017 zählen wird.

Anspieltipps:
Das Höllentor
Die verwaiste Wüstenstadt
Sternenmenschen

Tracklist:
01 TraumTod
02 Bon Voyage
03 Die astrale Wildnis
04 Der Jenseitstroll
05 Das Höllentor
06 Limbus
07 Der Exitus der Schlangen
08 Kahnfahrt auf dem Acheron
09 Legionen Luzifers
10 Die verwaiste Wüstenstadt
11 In der Toten-Taverne
12 Aevum
13 Sternenmenschen
14 Das große Mysterium
15 Epilog

Label: Einheit Produktionen/Soulfood
Format: Audio CD
Genre: Dark Metal
VÖ-Datum: 31.03.2017
Webseite: http://www.edenweintimgrab.de

Rezension: Karsten Henze

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