CD Rezension: In Extremo – Quid Pro Quo

Die Sieben sind zurück! Nach dem „Kunstraub“ heißt es nun „Quid Pro Quo“. Der neue Longplayer von In Extremo präsentiert sich musikalisch vielseitig und verspricht abermals ein kommerzieller Erfolg für die Mittelalter-Rocker zu werden.

Als Opener haben die Sieben einen echten (Wellen-)Brecher gewählt. Mit „Störtebeker“ stechen In Extremo in See und liefern einen Live-Ohrwurm erster Güte ab. Der eingängige Refrain und der zackige Rhythmus des Songs machen ihn zu einem echten Kracher. Natürlich zeigen sich In Extremo gleich hier wieder von ihrer rockig, metal-lastigen Seite, was dem ein oder anderen Fan mittelalterlicher Klänge nicht so behagt. Aber auch diese Seite gehört eben zur Band. Dafür werden Fans von mittelalterlicher Marktmusik auf dem aktuellen Album mit Songs wie „Pikse Palve“ wieder voll zufrieden gestellt. Nachdem der letzte Longplayer gänzlich auf Rock und deutschsprachige Texte setzte, haben sich die Sieben nun auch wieder auf ihre Wurzeln besonnen und präsentieren sich klassisch, mittelalterlich.

Über den Song „Lieb Vaterland, magst ruhig sein“ kann man sicher geteilter Meinung sein. Sägende E-Gitarren und ein Text, der Kriegsgräul verkitscht und dies mit einem Kinderchor auch noch auf die Spitze treibt, ist nicht wirklich das, was man von In Extremo erwartet. Der Song erinnert Saltatio Motris „Nachts weinen die Soldaten“, ohne dessen emotionale Tiefe zu erreichen. Auf diesen Song hätte man gut und gern verzichten können. Zu den stark vom Metal geprägten Songs zählt auch „Flaschenteufel“. Ein paar orientalische Anklänge hauchen dem ansonsten überwiegend donnernden Song einen mittelalterlichen Touch ein. Als Gastsänger fungieren hier Marcus „Molle“ Bischoff und Alexander „Ali“ Dietz von Heaven Shall Burn, die dem Song noch noch mehr Metal einhauchen. Nicht fehlen auf einem In Extremo Album darf auch die obligatorische Rockballade. Dies ist hier „Moonshiner“. Vor dem geistigen Auge erschaffen die Sieben eine Mondscheinnacht. Als Rausschmeißer kredenzen die Sieben mit „Sternhagelvoll“, die erste Singleauskopplung, die so gestrickt ist, dass sie sowohl eingefleischte In Extremo Fans als auch die „Santiano-Weichspül-Fraktion“ begeistern kann. In Extremo bieten Mittelalter-Rock-Pop mit hohem Ohrwurmfaktor. Eine bessere Chartstürmernummer kann es für Band und Label nicht geben.

Das Album versucht den Spagat zwischen den Extremen. Einerseits ist es eine Rückbesinnung auf alte Zeiten, indem Songs in vier Fremdsprachen (Estnisch, Walisisch, Russisch und Latein) dargeboten werden. Andererseits beinhaltet es mit „Störtebecker“ und „Sternhagelvoll“ Songs, die ganz klar auf Kommerz und Charterfolge getrimmt sind. So stößt die Scheibe dann auch bei der breiten Masse auf positive Resonanz, während Fans früherer Alben wehmütig an Songs wie „Vollmond“ oder die „Merseburger Zaubersprüche“ denken. Ein wenig erinnert das an die musikalische Wandlung von Unheilig. Es muss sich jeder seine eigene Meinung dazu bilden, ob er das gut findet oder nicht. Ganz übel ist das neue In Extremo Album jedenfalls nicht, denn es trifft  jedenfalls den Nerv der Massen. Und ist es nicht auch das, was für eine Band zählt? Immerhin kann sich die Band auf die Fahnen schreiben, dass sie eine der Bands sind, die den Mittelalter-Rock allgemein salonfähig und massenkompatibel gemacht haben.

Anspieltipps:
Störtebeker
Glück auf Erden
Sternhagelvoll

Tracklist:
01. Störtebeker
02. Roter Stern
03. Quid Pro Quo
04. Pikse Palve
05. Lieb Vaterland, magst ruhig sein
06. Flaschenteufel
07. Dacw ‚Nghariad
08. Moonshiner
09. Glück auf Erden
10. (Schwarzer Rabe)
11. Sternhagelvoll

Label: Vertigo    /Universal Music
Format: Audio-CD
Genre: Mittelalter Rock
VÖ-Datum: 24.06.2016
Webseite: http://www.inextremo.de

Rezension: Karsten Henze

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