Zwischen den Zeiten – Das „MPS“ macht in Berlin Station

Mit rund 3000 Mitwirkenden ist das Mittelalterlich-Phantasie Spectaculum, kurz MPS, das größte reisende Mittelalterfestival der Welt. Trotzdem herrscht bei den Veranstaltungen meist eine familiäre Stimmung, die sich immer größerer Beliebtheit erfreut.

Endlich hat nun auch Berlin einen MPS-Spielort. Auf der Trapprennbahn Hoppegarten hat das Spektakel seine Heimat gefunden. Ein weitläufiges Gelände, das sich zu einer festen Location entwickeln könnte. Der erste Festivaltag begann dann auch pünktlich um 11 Uhr mit der „Morgenmesse des Bruders Rectus“, ehe die ersten Mittelalterbands sich bereitmachten, dem Publikum einzuheizen. Am Musikprogramm spart man beim MPS seit eh und je nicht und so standen mit „Mr.Hurley und die Pulveraffen“ gleich ein absoluter Lieblingsact der Besucher auf dem Spielplan. Mit ihren Texten über die Widrigkeiten des Piraten-Daseins haben sich die sympathischen Musiker bereits eine große Fanbase erspielt und sind immer gern gesehen. Mystisch-anmutig zeigte sich hingegen die Folk-Band „Waldkauz“, die sich mit ihren verspielten Klängen die Herzen aller Elfen und Waldläufer sicherten.

Deutlich rockiger zeigten sich die Jungs von „Versengold“, die sich in den letzten Jahren deutlich weiterentwickeln konnten und zu einer festen Größe im Mittelalter-Zirkus herangereift sind. Es gibt wohl keine Veranstaltung, die ohne die legendären Songs wie „Versengold“ oder „Halunken betrunken“ auskommen würde. Eine Bühnenpräsenz, die man einfach lieben muss und sobald „Ich und ein Fass voller Wein“ erklingt, schunkelt und singt das Auditorium begeistert mit. Ein Heimspiel hingegen konnten die Metal-Piraten von „Cultus Ferox“ feiern. Diese Band ist nicht nur auf Festivals unterwegs, es sind echte Spielleute und so kann es passieren, dass man Feuerteufel und seine Mannen auf den Straßen Berlins musizierend antrifft. Eine sympathische Band, die immer Spaß macht. Ein weiterer Geheimtipp sind „Nachtgeschrei“. Nach einigen Besetzungswechseln ist man nun stärker als jemals zuvor zurück und spielt die Stärken besser aus. Ihr abendlicher Auftritt war sicher eines der Highlights dieses Festivals. Während sich die Sonne langsam senkte, machten sich Feuerkünstler und Gaukler bereit, das Gelände in eine besondere Stimmung zu tauchen. Als dann schließlich „Faun“ die Bühne betraten, gab es für die meisten Besucher kein Halten mehr. Kaum eine andere Band hat die Mittelalterszene derart geprägt, wie Oliver und seine Mitstreiter. Ein großartiges Konzert, das durch die herannahende Dämmerung noch an Ausdruckskraft gewann. Nun wurden auch die großen Feuer auf dem Gelände entfacht und man ließ die Nacht bei Klängen von „Metusa“ oder „Comes Vagantes“ beginnen. Die Plätze an der Schänke wurden weniger und es stellte sich eine gesellige Stimmung auf dem Areal ein. Nach „Knasterbart“ und ihrer Gossen-Poesie wurde der Abend gebührend geschlossen.

Der Sonntag stand ganz klar im Zeichen der klassischen Mittelaltermarktmusik. Nach einer kurzen Nacht, begann der Tag erneut mit der „Morgenmesse“, ehe „Comes Vagantes“ erneut die Bühne erklommen und den Besuchern das erste Konzert des Tages bescherten. Mit „Corvus Corax“ stand eine der einflussreichsten Bands der Szene danach bereit. Kein Zweifel, diese Herren werden alle Zeiten überdauern. Ihre Hymnen werden noch in vielen Jahren erklingen. Insgesamt 2 Gigs spielten „Die Könige der Spielleute“ an diesem Sonntag. Ob „in taberna“ oder „Skudrinka“, diese Band ist einfach einzigartig. Ein absoluter Höhepunkt war ohne Zweifel der Auftritt von „Omnia“. Die eso-mystischen Klänge, die so scheinen, als ob sie aus anderen Welten stammen, begeistern nicht nur überzeugte Räucherstäbchen-Liebhaber, sondern auch gestandene Rocker. Ihre sphärisch-anmutigen Töne trafen den Nerv der Zuschauer. „Toys in the attic“ oder „Earth Warrior“ gelten als Hymnen innerhalb der Szene. Ein grandioses Konzert, das den Musikern sicher viele Fanherzen beschert hat. Die Ehre diesen kurzen Festivaltag zu beschließen, hatten allerdings „Corvus Corax“ und hier wurde erneut klar, weshalb diese Band so beliebt ist. Faszinierende Dudelsackmelodien und eingängige Texte begeisterten auch den letzten Besucher dieses Geländes.

Fazit: Das „MPS“ hat eine neue Heimat gefunden. Berlin hat dieses Festival erstaunlich gut aufgenommen und sicher dafür gesorgt, dass auch im kommenden Jahr auf der Trapprennbahn geschlendert und gebummelt werden kann. Das Musikprogramm war vielfältig und sollte für jeden Fan etwas bereithalten. Das Rahmenprogramm ist derart opulent gestaltet, dass man an jeder Ecke etwas Neues entdecken kann. Ob nun Ritterturnier, Gaukler oder Zauberer, hier ist wirklich alles vertreten. Berlin freut sich eine Wiederholung im nächsten Jahr.

Text: Fabian Bernhardt
Fotos: Lena Behlmer

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