CD Rezension: Musica Seqzenza – Sampling Baroque / Handel

Laut Pressebeipackzettel werden bei diesem Album „Händels Arien auf historischen Instrumenten (…) konfrontiert mit den musikalisch-technischen Sounds des urbanen 21. Jahrhunderts.“ Ob diese „Konfrontation“ auch ein gutes Ende nimmt, haben wir geprüft.

Ein Lob verdient zunächst das gelungene Artwork, welches sehr gut die hier gebotenen Musik in Bilder fasst. Barock, dargestellt durch die verschnörkelten Ornamente, trifft auf elektronische Musik der Neuzeit, die hier durch das Spektrometer symbolisiert wird. Dass beides nicht so wirklich harmonisiert, erschließt sich aber dem Betrachter schon auf den ersten Blick.

Der Bandleader und Komponist Burak Özdemir hat versucht, die Gegensätze zwischen Händels gefühlvollen Arien und den technoiden Klängen des 21. Jahrhunderts bewusst zu bewahren und diese nicht etwa anzunähern. So wirken die elektronischen Sounds dann zeitweise auch eher wie Fremdkörper im Barocken-Klangbild. Auch die Tatsche, dass Händel seine Klänge nicht wie moderne Sounds im 4/4-Takt komponiert hat, führt dazu, dass es nicht nur disharmonisch klingt. Vielmehr hat man bei vielen Songs das Gefühl, dass die technoiden Beats versuchen, den beschwingten Barocken-Klängen „hinterherzulaufen“. Auch scheinen sie recht beliebig dahinzuplätschern. Dass die synthetischen Klänge Highlights setzen oder der Stimmung sehr zuträglich wären, lässt sich nicht feststellen. Die Idee, Klassik und elektronische Klänge zu verbinden, ist sicher nicht neu und wurde auch anderswo schon gut umgesetzt. Diese CD endet aber letztlich in einem Klangexperiment, das wohl weder Klassik-Fans noch Elektro-Fans ansprechen wird.

Einige Songs bestehen zum Großteil nur aus klassischen Instrumenten, während andere Songs wiederum sehr im Minimal-Techno-Stil daherkommen. Alles in allem kann man die CD vielleicht als Ambient und Chill-out Scheibe für experimentierfreudige Hörer empfehlen. Parallelen zu dem Cafe del Mar Sampler sind wohl nicht zu leugnen. Dennoch führen die barocken, feierlichen Klänge gepaart mit synthetischen Beats und Klängen zu einem Werk, das man eher nicht mal so nebenbei zur „Berieselung“ laufen lässt. Dazu ist die Stimmung dann doch zu ernst.

Alles in allem ist „Sampling Baroque / Handel“ eine sehr spezielle CD, die mit Sicherheit den ein oder anderen Fan finden wird. Blind kaufen ohne vorher reinzuhören, ist aber eher nicht empfehlenswert, wenn man keine ungewollte Überraschung erleben will.

Anspieltipps:
Overture
Midimelt (Interlude)
What Passion Music Cannot Raise

Tracklist:
01. Overture
02. Se pieta
03. Scherza infida
04. Vieni vieni
05. Midimelt (Interlude)
06. Lascia
07. What Passion Music Cannot Raise
08. Cara sposa
09. End Credits (Interlude)
10. Nel passar
11. From This Unhappy Day
12. Ah! Mio cor
13. Piangero
14. Larghetto
15. Hallelujah

Label: DHM (Sony Music)
Format: Audio-CD
Genre: Klassik, Electro, Ambient
VÖ-Datum: 10.06.16
Webseite: musicasequenza.com

Rezension: Karsten Henze

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