Das schwarze Familientreffen – Der „Out of Line Weekender“ in Berlin

Die Festivalsaison der Gothic-Gemeinde startet früh. Den offiziellen Startschuss für das dunkelbunte Treiben gibt traditionellerweise der „Out of Line“-Weekender in Berlin. Bei 18 Bands, die sämtliche Sub-Genres der dunklen Musik abdecken, an insgesamt 3 Tagen, sollte für jeden Gothic-Fan etwas dabei sein.

Der erste Tag des Festivals ist seit Anfang an für die EBM-Bands reserviert. Während „Sleepless in Ponyland“ das Happening eröffnen durften, strömten auch langsam die Massen in die altehrwürdigen Hallen des „Astra Kulturhauses“. Die Künstler von „Sonar“ übernahmen das Publikum und sorgten mit ihren ungewöhnlichen Klängen für eine gemischte Publikumsbeteiligung, während „The Sexorcist“ deutlich besser ankamen. Allerdings ist diese Band nur für wahre EBM-Enthusiasten zu empfehlen, da man als Neueinsteiger nur schwer Zugang zu diesen Klängen finden kann. „Portion Control“ und „A Split-Second“ sorgten für tanzbare Unterhaltung, sodass auch langsam die Temperatur im Saal zu steigen begann. Mit dem unbestrittenen Headliner „Suicide Commando“ wurde das Publikum schließlich komplett ausgepowert und konnte die allerletzten Reserven bei der anschließenden After-Show Party aufbrauchen.

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Am zweiten Tag stehen stets die eher rockigen Bands im Fokus. Bereits die Band „Palast“ konnte sich über ein gut gefülltes Auditorium freuen und sollten an diesem frühen Abend einige neue Fans für sich gewonnen haben. Newcomer „Erdling“ konnten mit ihrer frischen Mischung aus deutschen Texten und NDH überzeugen und beendeten ihren Gig mit der Hymne „Blitz und Donner“, die sich bereits jetzt schon in die Herzen der Fans eingebrannt hat. Eine absolut geniale Live-Band sind „Rabia Sorda“ ohne Zweifel. Sänger Erk begeisterte die Fans und sorgte mi seinen akrobatischen Einlagen für die passende Stimmung im Saal. Hier blieben wohl keine Wünsche offen. Die Berliner Lokalmatadore „Zeraphine“ beehrten den „Out of Line“-Weekender mit einer ihrer selten gewordenen Shows. Düsterromantik meets Rock, insbesondere der weibliche Teil des Publikums wird noch lange von diesem Abend schwärmen. Mit ihrem Hit „be my rain“ zog die sympathische Band das gesamte Publikum auf ihre Seite und rechtfertige den hervorragenden Slot. Eine sichere Bank für gute Unterhaltung und eingängige Melodien sind „Lord of the lost“ zweifelsohne. Chris Harms und seine Mannen haben sich binnen kürzester Zeit vom Newcomer zur festen Größe in der schwarzen Szene gemausert. Ob nun der neue Track „full metal whore“ oder Everblacks wie „Dry the rain“, diese Band kann es einfach und überzeugt bei jedem Gig vollends. Als krönenden Abschluss dieses Tages erwartete das Publikum die Band „Combichrist“. Sicher handelt es hier um eine Ausnahmeerscheinung in der Gothic-Szene, schließlich hat sich kaum eine andere Band immer wieder neu erfunden und ist sich dabei trotzdem treu geblieben. Mit „Get your Body beat“ begann das Konzert erwartet heftig. Hier wurde wirklich kein Meilenstein in der Bandgeschichte vergessen. Ob nun „Blut royale“ oder „Throat full of glass“, das Auditorium kannte kein Halten mehr, der gesamte Saal verwandelte sich in eine feiernde Meute, die nach „Denial“ zur Zugabe bat, die selbstverständlich gern erfüllt wurde. Mit „Fuck that shit“ und „What the fuck is wrong wih you“ endete der Gig, wie er begonnen hatte.

 

Wenn der dritte Tag eingeläutet wird, schlägt die Stunde der Dunkelromantiker und Freunden der traditionellen Gothic-Klänge. Den Auftakt übernahmen „Massive Ego“ und sorgten mit ihren energiegeladenen Electro-Sounds für ordentlich Bewegung im Zuschauerraum. „Dear Strange“ überraschten mit einer interessanten Mischung aus Wave und Electro, die man in dieser Form eher selten findet. Mit den Newcomern von „Melotron“ stand eine Band bereit, die bereits als Vorband sich ihre Sporen verdienen konnte. Die Reaktion des Publikums war dennoch gespalten. „Melotron“ scheinen sich zu einer festen Größe zu entwickeln, die zu polarisieren weiß. Ob man das nun gut oder schlecht finden soll, kann jeder Besucher für sich herausfinden. Unbestritten bleibt wohl die Klasse von „Icon of coil“. Mit dem sympathischen Frontmann Andy, der einen Tag zuvor mit „Combichrist“ auf der Bühne stand, wird es niemals langweilig. Hier herrscht wirklich ausgelassene Partystimmung, die man kaum noch toppen kann. Ein weiterer Frontmann, den der aufmerksame Zuschauer bereits am vorherigen tag live erleben konnte, war Sven Friedrich, der diesmal mit „Solar Fake“ die Massen begeisterte. „Parasites“ ließ den Funken zwischen Band und Auditorium binnen Sekunden überspringen und sorgte für hemmungslose Tanz-Orgien, die sich immer weiter zu steigern schienen. Sehnlichst von den Fans erwartet, betraten „BlutEngel“ mit den Klängen von „Sing“ die Bühne. In bester Spiellaune zeigten sich Ulrike und Chris, die eine Werkschau durch die verschiedenen Schaffensperioden der wohl einflussreichsten deutschen Gothic-Band geschnürt hatten. Sowohl legendäre Songs wie „Lucifer“ als auch neue Tracks wie „Kinder der Sterne“ fanden ihren Platz auf der Setliste und der Abend flog nur so dahin. „Engelsblut“ und „You walk away“ entließen das Publikum dann in die Zugabenpause, ehe Ulrike sich mit „Black Roses“ zurückmeldete und die letzten Töne dieses Festivals erklingen ließ. Nach „reich mir die Hand“ verabschiedete sich die Band und durfte sich über viele glückliche Gesichter und einen genialen Gig freuen.

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Fazit: Der „Out of Line“-Weekender ist mittlerweile eine feste Größe im Jahreskalender der schwarzen Gemeinschaft. Hier bekommt man für sein sauer verdientes Geld ein wirklich schönes, kleines Festival geboten, das mit einer erlesenen Bandauswahl punkten kann. Wer auf Electro- und Rockklänge steh, kann hier nichts falsch machen. Wir freuen uns auf die Fortsetzung im Jahre 2017.

Text: Fabian Bernhardt
Bilder: Lena Behlmer

 

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