Metal mit Outlaw-Faktor … Interview mit Paragon

Die Heavy- und Power Metal Band Paragon hält die Metal-Fahne auch anno 2016 hoch. Unlängst ist ihr neues Album „Hell Beyond Hell“ erschienen und auch der Festivalsommer wirft schon seine Schatten voraus. Grund genug für uns, die Hamburger zum Interview zu bitten.

SzeneChecker (SC): Paragon gibt es bereits seit Anfang der 90er. Das ist eine verdammt lange Zeit in der Musikszene. Wie fühlt man sich denn so als eine der am längsten aktiven deutschen Metal Bands?

Paragon (P): Uns macht es schon irgendwie stolz, dass wir schon so lange dabei sind und es ist auch echt ein cooles Gefühl das es inzwischen auch Fans gibt die noch nicht mal auf der Welt waren als wir unser erstes Album auf den Markt gebracht haben. Ich habe letzte Zeit tatsächlich öfter mal blöde geschaut als in den ersten Reihen Jungs & Mädels um die 20 rum in der ersten Reihe standen und nicht nur so alte Säcke wie wir hargh hargh!

SC: Wenn ihr an die Anfänge der Band zurückdenkt, war es damals besser oder hat sich die Metal-Szene eher positiv entwickelt?

P: Als wir anfingen war für uns natürlich alles neu und aufregend und die Szene war noch „gefährlich“, „wild“ und unter sich. Heute ist Metal schon lange im Mainstream angekommen und auch für viele Firmen und Bands ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Gesellschaftlich ist Metal akzeptiert und eigentlich gar nicht mehr „böse“. Jeder durchschnittliche Bürger in Deutschland kennt wahrscheinlich „Wacken“. Insofern vermisse ich etwas diesen „Outlaw-Faktor“ um den es eigentlich mal grundlegend ging als Metaller. Aber auf der anderen Seite ist es natürlich gerade als Band einfacher geworden Kontakten in die ganze Welt zu knüpfen, im Ausland zu spielen oder seine Band zu promoten. Das war früher wesentlich schwieriger. Für mich gibt es aber die letzten Jahre eigentlich wieder zwei Szenen: Einmal den Mainstream mit Bands die teilweise musikalisch sehr hart am Schlager und Pop vorbei schrammen, mal davon abgesehen das sie verzerrte Gitarren haben und sich in den Charts tummeln und dann eben den sehr interessanten Untergrund wo gerade die letzten Jahre wieder viele interessante Dinge passieren. Ich stehe zwar mehr auf den Untergrund, aber manchmal überschneidet sich das ganze auch und ich denke jedem steht es ja frei sich seine Rosinen raus zu picken.

SC: Es gab in eurer Bandgeschichte einige Besetzungswechsel. Wie hat sich das auf euren Sound und eure Texte ausgewirkt?

P: Stilistisch wahrscheinlich nicht so großartig, denn spätestens seit „Law Of The Blade“ von 2002 gibt es ja einen gewissen Sound den die Fans von uns erwarten. Zum Glück entwickeln wir uns natürlich immer etwas weiter oder machen kleine Experimente, aber ich denke wenn Du zu sehr von „deinem“ Pfad abweichst, dann kannst Du eine Band auch umbenennen. Wenn Paragon drauf steht, sollte auch Paragon drin sein. Die Grundbesetzung ist ja nun doch schon mit Buschi und mir seit längeren konstant und wenn neue Mitglieder einsteigen, wissen Sie ja was sie erwartet.

SC: Euer neues Album „Hell Beyond Hell“ ist euer 11. Studioalbum. Und es erscheint wieder bei bei Remedy Records. Wie kam es dazu?

P: Mit unserem letzten Label waren wir trotz oder vielleicht gerade wegen Major Vertrieb leider nicht so glücklich. Es wurde viel versprochen und wenig gehalten. Im Endeffekt passte es wahrscheinlich einfach nicht da sich die Vorstellungen vom Label und Band zu sehr unterschieden. Als wir dann auf der Suche nach einem neuen Deal waren, stellten wir fest das es heutzutage viel Labels in erster Linie um Geld und nicht Musik geht. Keiner war so richtig bereit vielleicht mal ein kleines Risiko einzugehen sondern es werden nur Bands gesignt die stilistisch das machen was gerade „in“ ist. Finde ich ehrlich gesagt sehr schade da ich in dem Sinne nicht denke das wir mit der „richtigen“, „fetten“ Promo eines großen Labels nicht auch ordentlich Alben verkaufen würden. Wir sind ja nicht unkommerziell und jedes Label welches wir hatten, hat sicher ein Geschäft mit uns gemacht. Mit Remedy hatten wir all die Jahre immer Kontakt da ich z.B. auch mit Jörn und Pedy privat befreundet bin und Jörn hat immer Interesse an uns bekundet. Das Album habe ich ihm dann vorgespielt und er war sehr angetan. Wir sind uns dann im Herbst 2015 einig geworden und wir haben die Entscheidung nicht bereut. Bei Remedy sind wir die größte Band und sie stecken sehr viel Energie und Herzblut in den Release. Vor allem dass wir wieder Vinyl haben finden wir klasse. Die Promo wird von zwei professionellen Agenturen übernommen und mit Soulfood haben wir einen der größten Vertriebe am Start.

PARAGON-Hell-Beyond-Hell-Cover

Hell Beyond Hell – Artwork

SC: Der Song „Buried in Blood“ vom neuen Album ist der schnellste in eurer Bandgeschichte. Was hat euch bewogen einen solchen Brecher zu kreieren?

P: Eigentlich war „Buried In Blood“ eine langsame Nummer, bis wir dann festgestellt haben das man da auch die gute alte Slayer Polka von den Drums drunter legen konnte. Da wir mit Sören jetzt auch einen Drummer haben, der auch noch hohe Geschwindigkeiten locker spielen kann war natürlich klar wie wir den Song spielen. So passt es jetzt einfach super.

SC: Mit „Devil`s Waitingroom“ setzt ihr Statement gegen den Krieg. Ein hochaktuelles Thema. Was genau hat euch dazu inspiriert?

P: Eigentlich ist „Krieg“ ja immer ein aktuelles Thema da es ja leider so gut wie nie Zeiten gibt wo wirklich überall Frieden herrscht. Traurig genug für eine angeblich zivilisierte Welt, aber Kriege bringen halt Geld in die Kassen der Konzerne und der Reichen. In dem Falle ging es allerdings um die Frage, wenn ich Florida „God´s Waitingroom“ (ein Rentnerparadies) ist, wo ist dann „Devil´s Waitingroom“? Buschi fand die Antwort in den Schützengräben des ersten Weltkrieges, kurz bevor die Soldaten auf ihre Feinde los stürmen müssen. Er beschreibt was den Verdammten des Krieges durch den Kopf gehen könnte. Ein sehr finsteres Stück das eine klasse Symbiose aus Musik und Text bietet.

SC: Sehr viele eurer Songtexte behandeln Themen, über die es sich nachzudenken lohnt. Bekommt ihr dazu auch Feedback von den Fans oder achten die eher auf die krachende Metal-Kulisse?

P: Eigentlich bekommen wir eher selten Feedback zu den Texten. Ich finde gut geschriebene Texte cool und Buschis sind gut, allerdings soll unser Metal in erster Linie unterhalten. Die totale, tiefgründige Sozial-Kritik würde eher weniger zu uns passen denke ich.

SC: „Hell Beyond Hell“ wird auch als Vinyl-LP erscheinen. Freut es euch, dass sich Schallplatten wieder großer Beliebtheit erfreuen? Seid ihr selbst auch Vinyl-Fans?

P: Von uns ist ehrlich gesagt keiner der totale Vinyl Fan. Ich bin auch nicht der Meinung das Vinyl besser klingt als CDs. Allerdings finde ich das „Erlebnis“ Vinyl total geil. Sprich, großes Cover, Platte auflegen, die Nadel aufsetzen etc. Ich denke dass Leute die Vinyl hören wissen Musik einfach noch mehr zu schätzen und zu genießen als Leute die sich nur MP3s legal oder illegal laden. Es wurde die letzten Jahre auch unheimlich oft nach Vinyl von uns gefragt, der Vinyl Umsatz steigt  und wir sind echt happy dass wir „HbH“ auch in „groß“ in der Hand halten können.

SC: Auf eurem Terminkalender für dieses Jahr stehen noch einige Festivals. Gibt es eines, auf das ihr euch ganz besonders freut?

P: Klar das Metal Bash wird sicher cool da wir dort zum ersten mal mit einer Pyro Show arbeiten werden und auch Co-Headliner sind. Es ist ja das Festival von unserer Platenfirma Remedy Records und bisher war es immer cool dort.

SC: Wie sieht für euch ein Festivalwochenende aus, wenn ihr auch einen Auftritt habt? Könnt ihr auch andere Bands anschauen oder ist es dann primär eure Show, die für euch im Mittelpunkt steht?

P: Das kommt immer darauf an wie stressig / entspannt die Ab- und Anfahrt ist und wann wir spielen. Sich vor der Show einen hinter die Binde zu gießen ist eher nicht so gut, weshalb wir am liebsten immer erst so ca. ein – zwei Stunden vor der Show in der Halle sind. Wenn wir dann aber fertig sind und  nicht gleich wieder nach Hause müssen weil eine Bahn fährt oder ein Flugzeug fliegt, dann hängen wir auf alle Fälle noch super gerne mit anderen Bands und Fans ab. Das ist ein wichtiger Aspekt für uns – der Kontakt zu unseren Fans, etwas in der Weltgeschichte rumzukommen und Freundschaften mit anderen Bands etc. zu schließen. Ohne das würde wir die Band sicher nicht machen.

SC: Was wollt ihr unseren Lesern und euren Fans noch mit auf den Weg geben?

P: Erst mal vielen Dank für die Aufmerksamkeit und wir würden uns freuen wenn ihr unserer offiziellen Seiten besuchen und Kommentare und/oder Bestellungen da lassen würdet:
http://www.paragon-metal.com
http://paragonmetal.bigcartel.com

Ansonsten – Metal Is The Law – ALWAYS! 😉

Danke für das Interview!

Interview: Karsten Henze
Fotos: Band

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