CD Rezension: Varg – Das Ende aller Lügen

Die Wölfe sind zurück! Nicht nur in den Wäldern, sondern auch im Plattenregal und auf den Bühnen kann man sie antreffen. Die Coburger Band Varg verkündet mit ihrem neuen Album „Das Ende aller Lügen“.

Nachdem das letzte Album der Coburger von starken Deutschrock-Einflüssen geprägt war, versuchen sich die Wölfe nun mit großem Kino und teilweise atmosphärischen Metalklängen. Das zugegebenermaßen extrem lange Intro ist, der Name lässt es erahnen, dem Charlie Chaplin Film „Der große Diktator“ entnommen. Die Ansprache geht durchaus unter die Haut, verliert aber durch die Länge von mehr als zwei Minuten an Intensität. Der folgende Opener ist ganz klar eines der Highlights des Albums. Das bereits im Vorfeld veröffentlichte Werbevideo zum Song „Das Ende aller Lügen“ machte große Hoffnung auf ein absolutes Überfliegeralbum. Der Song geht sofort nach vorn und ist ganz klar ein typischer Varg-Song. Aggressive Metalklänge und Frekis Geschrei peitschen unaufhaltsam voran. Es folgt mit „Revolution“ ein Stück, dessen Inhalt und Text sicher nicht revolutionär oder gar neu sind, aber das durchaus zu gefallen weiß. Man kann vor dem geistigen Auge die Wolfshorde schon mit Fackeln und Mistgabeln in der Hand durch die Straßen ziehen sehen. Soweit und so gut, denn mit dem dritten Song „Streyfzug“ legen die Wölfe zunächst ein Verschnaufpause ein. Im Vergleich zu den beiden ersten Songs wirkt dieser eher kraftlos. Mehr Bewegung kommt bei „Achtung“ ins Spiel. Der Song knüpft thematisch an „Wir sind die Wölfe“ an und ist eine Art Selbstbeweihräucherung mit der Aufforderung zum Springen. Der Stakkato-Rhythmus wird das Publikum vor den Bühnen mit Sicherheit dazu animieren, nicht nur die Nackenmuskeln, sondern auch die Sprunggelenke in Bewegung zu setzen.

Wie bereits erwähnt haben es Varg auf diesem Album auf Atmosphäre angelegt. Beim Song „Totentanz“ klingen Varg, ganz untypisch fast schon nach Gothic-Metal. Dazu trägt auch der weibliche Gesangspart von Anna-Murphy (von Eluveitie) bei, die im Refrain die Reibeisenstimme von Schreihals Freki begleitet. Der Song wird die Fans spalten. Während die Die-Hard-Fans der ersten Stunde sicher wenig damit anfangen können, beweist der Titel, dass sich auch eine Band wie Varg weiterentwickeln kann. Und warum auch nicht? Niemand will ein Album, welches den Vorgängern hundertprozentig gleicht. Hier und da kommen dann aber doch die „alten“ Varg durch. So etwa bei den ersten Passagen von „Einherjer“. Hier lassen die Wölfe Blastbeats los, bevor der Song in Power-Metal-Gefilde abdriftet. Zu den härtesten und gleichzeitig auch stärksten Songs auf dem Album zählt „Wintersturm“. Der Name ist Programm. Ein eiskalter, musikalischer Sturm mit scheidenden Vocals pfeift dem Hörer hier um die Ohren und mitten ins Gesicht. Bei diesem Stück ziehen Varg kurz vor dem Ende nochmal alle Register. Den Abschluss es Albums bildet die Metal-Ballade „Ascheregen“. So emotional hat man Varg bisher noch nicht erlebt. Nach kurzen 38 Minuten sind die Wölfe dann auch schon durch. Der ein oder andere Kracher hätte durchaus noch Platz gehabt auf dem Siberling.

Dem limitierten Digipak liegt noch eine zweite CD bei, auf der die Songs mit englischen Texten dargeboten werden. Diese CD und auch die englischen Texte stehen dem Album erstaunlich gut zu Gesicht. Im Gegensatz zu manch anderer deutscher Metalband gelingt es Varg, die Songs in einem akzeptablen Englisch vorzutragen. Diese Bonus Scheibe wird mit Sicherheit den internationalen Fans der Band gefallen. An der Produktion und Qualität der Aufnahmen gibt es nichts auszusetzen. Alle Songs kommen druckvoll aus den Boxen und die Texte sind gut zu verstehen. Das Artwork der CD ist passend und martialisch. Die limitierte Auflage kommt also aufklappbares Digipak im Pappschuber.

Insgesamt ist „Das Ende aller Lügen“ kein schlechtes Album. Varg zeigen, dass sie sich weiterentwickelt haben. Allerdings ist das Album doch arg kurz und es wären mehr Hits wünschenswert gewesen. Dies trübt es guten ersten Eindruck, den Songs wie „Das Ende aller Lügen“ und „Revolution“ hinterlassen.

Anspieltipps:
Das Ende aller Lügen
Wintersturm
Ascheregen

Tracklist:

CD 1

01. Der große Diktator
02. Das Ende aller Lügen
03. Revolution
04. Streyfzug
05. Achtung
06. Dunkelheit
07. Totentanz
08. Einherjer
09. Wintersturm
10. Ascheregen

CD 2

01. The Great Dictator
02. The End of all Lies
03. Revolution
04. Streyfzug
05. Achtung
06. Darkness
07. Dance of the Dead
08. Einherjer
09. Winterstorm
10. Rain of Ash

Label: Naplam Records
Format: Audio-CD
Genre: Metal
VÖ-Datum: 15. Januar 2015
Webseite: http://www.varg.de

Rezension: Karsten Henze

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s