CD Rezension: Eisregen – Marschmusik

Die Thüringer Extreme-Metal Band Eisregen präsentiert zum 20-jährigen Jubiläum ein Konzeptalbum zum Thema Krieg, das mit Sicherheit sowohl inhaltlich als auch musikalisch einmal wieder die Lager spalten und für heftige Diskussionen sorgen wird.

Sirenengeheul, Drums und E-Gitarren-Riffs empfangen den Hörer in einer unheimlichen und düsteren Stimmung. Der Opener und Titielsong ist ein typischer Eisregen-Song. Er bewegt sich zwischen mit viel Pathos geschwängerten langsamen Passagen und heftiger Raserei. Unverkennbar ist die raue Stimme von Blutkehle M. Roth. Der sechseinhalb Minuten lange Track ist ein würdiger Opener dieses Konzeptalbums. Musikalisch fällt der scharfe Kontrast zwischen den nach hellen Glöckchen klingenden Keyboardklängen und den harten Metalsounds auf, der dem Song eine ganz besonders bedrückende Stimmung gibt. Das Album vermittelt insgesamt durch viele sehr dunkle und wohl bewusst mit nicht zu hoher Geschwindigkeit gespielte Songs extrem düstere Atmosphäre, die der Thematik angemessen ist.

Songs wie „Leichensack“, „Adlerhorst“ oder „Mein Leben auf deiner Haut“ setzen bewusst nicht auf Blastbeats, sondern auch Down- und Mid-Tempo mit zum Teil überwiegendem Klargesang. Dies wird vorallem Fans der frühen Eisregen-Alben wieder zu Stürmen der Entrüstung führen. Wie können sie nur… Doch eine Band muss sich auch weiter entwickeln dürfen. Im Fall von Eisregen wurden jedenfalls auf diesem Album die musikalisch extremen Parts deutlich zurückgefahren. Auf einem Album, das den Krieg zum Thema hat darf natürlich auch der obligatorische Highspeed-Track nicht fehlen. Mit „Foltergeist“ enthält „Marschmusik“ einen über weite Strecken von Blastbeats geprägten Song. Wie ein Alptraum sägt sich der Song durch die Gehirnwindungen.

Eines der klaren Highlights ist ohne Zweifel der Track „Panzerschokolade“. Die Band hat hier eine Mischung aus Polka, Metal und Partysong geschaffen. Dabei dreht sich der Track inhaltlich um die den Soldaten verabreichten Aufputschmittel namens Pervtin. Diese euphorisierende Droge wurde bereits im zweiten Weltkrieg eingesetzt, um Angst zu hemmen und Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit zu erhöhen. Der heute als Crystal Meth bekannte Wirkstoff führt aber auch zu extremer Abhängigkeit. Den Fans und Konzertbesuchern, dürfte aber der Song an sich schon ausreichen, um sich in euphorische Stimmung zu versetzen und gehörig das Tanzbein zu schwingen.

Während die Standard-Version des Albums mit „Panzerschokolade“ endet, enthält das Digipak noch den Track „Pervertin Peter“, der die Heimkehr der Soldaten beschreibt, die noch ganz im Bann der Panzerschokolade stehen. Natürlich fehlen auch hier nicht die für Eisregen typischen makaberen Seitenhiebe. Der sehr melodische Track rundet das Album erst ab. Insofern sei es jedem nur ans Herz gelegt, sich das Digipak zu angeln.

Was bleibt am Ende? „Marschmusik“ ist ein Konzeptalbum, das durch seine an sich schon düstere Thematik den Gestaltungsspielraum etwas einschränkt. Klares Highlight ist ohne Zweifel der bereits auf der EP enthaltene Song „Panzerschokolade“. Dieser Song bietet die von Eisregen gewohnte morbid-schräge Stimmung. Ein paar mehr Songs von diesem Schlag hätten das Album noch weiter nach vorn gebracht. Doch auch so kann bereits jetzt konstatiert werden, dass es das bisher in den Charts erfolgreichste Album der Band ist mit einem Einstieg auf Platz 11.

Anspieltipps:
Marschmusik
Panzerschokolade
Pervertin Peter

Tracklist:
01. Marschmusik
02. Blutkreis
03. Bunkertür
04. Leichensack
05. Gott der Panzer
06. Adlerhorst
07. Fleischbrand
08. Mein Leben auf deiner Haut
09. Foltergeist
10. Was von dir bleibt
11. Panzerschokolade
12. Pervertin Peter (So lang die Schokolade reicht) (Digipak Bonustrack)

Label: Massacre Records
Format: Audio-CD
Genre: Death/Black Metal, Dark Metal
VÖ-Datum: 14.08.15
Webseite: http://www.fleischhaus.de

Rezension: Karsten Henze

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