Punkrock mit Tiefgang … Interview mit Confused

Das Album der sympathischen Punkrocker aus dem Schwarzwald haben wir schon vor einiger Zeit vorgestellt. Nun haben wir es uns auch nicht nehmen lassen die Jungs mit jeder Menge Fragen zum Album „Maraud“ und ihrer Band zu löchern. Im Interview sprechen sie unter anderem über ihre musikalischen Wurzeln und die grüne Fee.

SzeneChecker (SC): Stellt euch bitte kurz vor und lasst uns wissen seit wann es Confused gibt und wie ihr zusammengefunden habt.

Confused (C): Wir sind Attila, Michel und Nici von Confused und wir kommen aus Lahr im Schwarzwald. Wir haben uns vor vielen Jahren auf der Schule und auf regionalen Konzerten kennengelernt. Ich denke wenn man Teil einer Musik – und Kulturszene wird, läuft man sich zwangsläufig über den Weg und wir sind froh das machen zu können, was wir machen.

SC: Musikalisch liegt bei eurem Sound ein Vergleich mit Bands wie Bad Religion sicher nahe. Macht euch das stolz oder nervt es eher, wenn ihr mit anderen Bands verglichen werdet?

C: Keines von beidem. Ich finde es interessant zu hören, welche Vergleiche wir wecken und es ist nur natürlich, sich an dem zu orientieren was man kennt, um Sachen beim Namen nennen zu können. Wir machen Musik, die uns gefällt und wenn die Leute sagen ihr klingt wie eine Band, die uns vielleicht gefällt und schon einiges geleistet hat, dann ist das toll.

SC: Wo liegen eigentlich eure musikalischen Wurzeln? Sind es die Indie-Rockbands der 90er oder kommt ihr aus ganz anderen Musikstilen?

C: Da liegst du völlig richtig, wir sind in den 90ern aufgewachsen und hören alle Rockmusik in allen Varianten. Mittlerweile sind wir auch viel breiter gefächert. Früher waren wir, denk ich, etwas engstirrniger, dabei gibt es so viele gute Bands auf der Welt aus allen Stilrichtungen und da lohnt es sich richtig offen zu sein, egal ob Pop, Techno oder Grindcore.

SC: Eure neue Scheibe „maraud“ bedeutet übersetzt soviel wie „plündern, marodieren“. Wie seid ihr auf den Namen gekommen?

C: Wir wollten einen Namen mit Tiefe, der interessant klingt, der nicht abgedroschen und vielseitig interpretierbar ist. -MARAUD- hat bisher niemand verwendet und kann verschiedenes bedeuten.Diesen Begriff fand ich in dem alten Roman „Der abenteuerliche Simplicissimus Deutsch“ von Grimmelshausen und kommt unter anderem von dem frz. Maraud, was soviel bedeutet „Lump“ oder „Taugenichts“, und dem schwedischen Obristen Werner von Merode, dessen Regiment meuterte und in einzelnen Haufen führerlos und plündernd „marodierend“ – durchs Land zog.

SC: Im Song „La Fee Verte“ besingt ihr die „grüne Fee“, also den Absinth. Wie ist die Idee für den Song entstanden?

C: Der Song war eigentlich erst ein improvisierter Mitschnitt aus dem Proberaum, zu dem ich mir dann einen Text überlegt habe. Wir schreiben sehr intuitiv und unterbewusst Songs und machen uns vorher keinen Plan oder Konzept worum es in dem Song gehen oder was für ein Thema behandelt werden soll. Der Gitarrensound und die Atmosphäre passten für mich einfach gut zu dem Bild das ich zeichnen wollte und zu dem späteren Text.

SC: Beflügelt euch manchmal die grüne Fee für eure Musik und Texte?

C: Ich schreibe natürlich nicht während ich besoffen bin Texte, ich trinke Absinth wenn ich Bock habe zu feiern oder Lust habe etwas Feines zu trinken. Alkohol beflügelt nicht deine Kreativität,er verstärkt nur deinen Gefühle und Emotionen und wie oben erwähnt, schreibe ich sehr unterbewusst Texte, über das was ich sehe, erlebe, mich interessiert und beschäftigt und denke zusammen passt . Was sich dann herauskristallisiert, ist dann der Song. In dem Fall über eines meiner Lieblingsgetränke, den dazugehörigen Rausch, unseren eigenen „besoffenen“ Blickwinkel, verzerrte Wahrnehmung und wie der Künstler Van Gogh Farben wahrgenommen hat (muss ich da noch was dazu erklären?). Die Interpretationen sind auch bei unseren Songs eben sehr offen und vielfältig.

SC: Habt ihr inzwischen eine Antwort auf die Frage gefunden: „Do androids dream of electric sheep?“ oder ist das eher eine rhetorische Frage?

C: Du spielst hier sicher auf das Buch von Philip K. Dick an, das besser bekannt ist unter der Kinoverfilmung „Bladerunner“ mit Harrison Ford. Thema des Romans ist die verschwimmende Grenze zwischen Menschen und (in diesem Werk biologischen) Androiden und somit die Frage, was den Menschen zum Menschen macht. Nach Philip K. Dick ist nicht die Intelligenz das Unterscheidungsmerkmal zwischen Androiden und Menschen, sondern die Empathie, also die Fähigkeit, sich in andere Menschen einzufühlen.

SC: Einige eurer Songs haben gesellschaftskritische Themen wie etwa „Hobo with a shotgun“ oder „I don’t care“. Andere wie „Electric Sheep“ sind doch eher mit einem Augenzwinkern zu sehen. Ist euch die Mischung wichtig oder wie stellt ihr die Themen für ein Album zusammen?

C: Auch die Themenwahl ist, wie das Schreiben an sich, unbewusst. Auf den ersten Blick mögen sie unterschiedlich sein, aber dennoch grenzen Alben, dessen Songs in einem Zeitraum geschrieben worden sind, immer eine Schaffensphase ein denke ich und Gesellschaftskritik, Wut, Ärger und  Ironie waren und sind immer unter anderem Grundgedanken meines Kopfes und unserer Band.

SC: Durch das in schwarz-weiß gehaltene Cover wirkt euer Album auf den ersten Blick etwas trist und düster. War das eure Absicht? Ihr selbst seid ja durchaus nicht farblos wie man auch auf dem Foto im Booklet sehen kann.

C: Alles an unserem Album ist Absicht und wir haben sehr viel daran gearbeitet, um möglichst viel damit auszudrücken. Die Welt ist düster, wenn wir die Augen aufmachen. Das Cover ist unser Rundumschlag gegen die Arbeitsmoral unserer Zeit und bezeichnet, wie die Regeln unserer Gesellschaft uns fesseln, wie wir ausgebeutet werden und immer mehr und schneller etwas leisten sollen. Im Booklet befreien wir uns davon mit verschiedenen Mitteln in verschiedenen Motiven, denn wir können alle farbenfroh sein, wenn wir wollen.

confused-maraud

Albumcover: Confused – Maraud

SC: Thema: Plattenfirmen… Seid ihr auf der Suche nach einem Label oder wollt ihr euer Schicksal lieber selbst in der Hand behalten?

C: Wir sind nicht auf der Suche und zufrieden mit dem Moment, aber wenn jemand an unsere Tür klopfen würde und einen Vertrag anbieten, würde ich, unter bestimmten Voraussetzungen, nicht nein sagen. Betreffende Partner müssten zu uns passen und die Musik im Mittelpunkt liegen, nicht das Geld.

SC: Wie ist generell eure Meinung zur Musikindustrie?

C: Plattenverträge sind schon lange nicht mehr das, was sie waren und der Musikkonsum und Musikmarkt haben sich immens verändert. Es wird immer schwieriger als Musiker von der Musik zu leben. Wir beobachten schon lange die Entwicklung; es wird Musik gestreamt oder runtergeladen und das Vinyl ist zurückgekehrt, alles hat Vor- und Nachteile für Musiker, Vertriebe und Konsumenten. Das ist der Lauf der Dinge, keiner weiß was passiert oder wie es sich in Zukunft entwickelt und in keinem anderen Wirtschaftszweig ist es so unvorhersehbar, wie der Musikindustrie. Ich hoffe nur es wird etwas mehr Vernunft Einzug halten, damit es weiterhin spannende und gute Musik geben wird.

SC: Zum Schluss noch euer ganz persönliches Statement bitte… Was sollt ihr gern noch loswerden?

C: Wir wollen als ökologische und pazifistische Band wahrgenommen werden, die gegen Sexismus, Rassismus, Homophobie, Faschismus und Religion ist. Es gibt so viele Ansatzpunkte in unserer Welt, die wir ansprechen könnten, ohne diesen in einem kurzen Statement gerecht zu werden. Wir wollen jetzt keine großen Floskeln schwingen, deswegen beschränken wir uns jetzt auf einen Punkt, der an dein Interview anschließt. Fördert euren musikalischen Nachwuchs und supportet eure lokale Szene; Musik kann etwas verändern.

Vielen Dank für das Interview!

Danke auch euch!

Interview: Karsten Henze
Fotos: Band

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