CD Rezension: Seagrave – Stabwound

Auch wenn das in schwarz/weiß gehaltene Cover mit dem wenig lebensbejaenden Motiv auf puren Black Metal hindeutet, so bietet „Stabwound“ doch wesentlich mehr. Hier wird eine Melange aus D-Beat Death Metal, Black Metal und Melodic Hardcore mit jeder Menge Post-Rock serviert. Ob das gut geht?

Bei so abenteuerlichen Genrebezeichnungen wie Blackened Hardcore und Post Rock/Metal kann man da schon mal seine Zweifel haben. Aber Seagrave gelingt es recht gut, hier die Quadratur des Kreises zu erschaffen. Die dunklen Seiten des Lebens, Depression, zerbrochene Beziehungen und Entfremdung sind Inhalte der Songs. Mal aufbrausend wie der Opener „Pillage de tombe“ mit teilweise Blastbeats, die Gewehrsalven gleichen, und auch mal düster mit Klargesang wie „Manifest XII“ erschafft J.J., der für alle Texte und Musik verantwortlich zeichnet, ein düsteres musikalisches Erlebnis. Die überwiegend kreifend, extremen Vocals zeigen deutlich die Wurzeln des Black Metal. Typisch für „Post“-Genres weisen alle Songs eine enorme Länge sowie komplexe Songstrukturen auf. Der rote Faden geht dennoch nie verloren. Durch gekonnte Wechsel von Tempo und Rhythmus baut Seagrave Spannung auf. Die melodischen Passagen sind zuweilen regelrecht eingängig. Passende dezent eingesetzte Samples und melodiöse Gitarren-Riffs durchbrechen die extremen Parts auch beim Opener. Die CD erweist sich als extrem abwechslungsreich, wird Die-Hard Black Metal Fans aber mit Sicherheit zu melodisch sein. Alle anderen finden hier ein sehr ausgefeiltes Album, das moderne Strukturen mit althergebrachten Extreme Metal Genres vereint. Gefühlsausbrüche und das Ausloten der Extreme, Emotionen und brachialer Metal-Sound finden sich auf dieser Scheibe in einer guten Mischung wieder.

Entstanden ist Seagrave im Jahr 2014 als Studioprojekt. Hinter dem Bandnamen Seagrave steckt J.J., ein Musiker und Sänger aus Österreich, der bereits bei Bands wie Krag, Harakiri to the Sky oder Schattenlicht mitgewirkt hat. Noch ist Seagrave keine komplette Band, aber angesichts der musikalischen Qualitäten kann man sich dies nur wünschen. Mit „Sabwound“ zeigt Seagrave, dass auch im Jahr 2015 in den recht ausgetretenen Genres des Extreme Metal noch frischer Wind weht. Das hier ist mehr als nur stupides Black-Metal-Gebolze. Wer auf Bands wie Agalloch, Agrypnie oder Fjorgyn steht, der sollte hier unbedingt ein Ohr riskieren.

Anspieltipps:
Pillage de tombe
Manifest XII
Down with the wolves

Tracklist:
01 Pillage de tombe
02 Pistanthrophia
03 Harvest in June
04 Manifest XII
05 Down with the wolves
06 Bonjour Tristesse

Label: Art of Propaganda
Format: Audio-CD
Genre: Blackened Hardcore, Post Rock/Metal
VÖ-Datum: 27.04.2015
Webseite: http://www.facebook.com/seagraveofficial

Rezension: Karsten Henze

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