Buch Rezension: Die Wahrheit über Heavy Metal

Die Wahrheit kann man nicht kaufen… Nun jedenfalls auf dieses Werk hier trifft das nicht zu. Zum annehmbaren Preis von 9,90 EUR bekommt der geneigte Leser 152 Seiten geballte Metal-Power.

Wer nun ein Standardwerk der Heavy Metal Geschichte erwartet, der wird enttäuscht. Aber das ist es ja auch gar nicht, worum es den Autoren ging. Die Wahrheit liegt ja zumeist viel tiefer und kann nur verstanden werden, wenn man die trockene mit Fakten gespickte Oberfläche verlässt und sich hinein wagt in die Partykeller und die verruchten Clubs oder Proberäume der echten Szenebands. Die Autoren wissen wovon sie schreiben und vermitteln dem Leser anstelle von knochentrockenen Fakten, das Lebensgefühl des Heavy Metal. Zum teil ironisch überzeichnet verschwimmen die Grenzen zwischen Dichtung und Wahrheit. So beschreibt etwa Francis Kirps in dem Beitrag „Die letzte Fahrt der Jolly Roger“ zum teil groteske Szenen auf einer Heavy Metal Kreuzfahrt einschließlich Piratenüberfall. Ein Ausschnitt daraus ist auch im Klappentext des Buches zu lesen: „Ein wenig fehl am Platz schien der Vertreter des Reiseveranstalters TUI in seinem Meat-Loaf-Shirt und dem Klaus-Meine-Käppi. Er war von einem halben Dutzend Lemmys umringt. Das ganze Schiff war voller Lemmy-, Philty- und Würzel-Kopien, sie waren die Gewinner des Europas-Beste-Motörhead-Coverband-Contests, den die TUI im Vorfeld ausgeschrieben hatte.“

Aufschlussreich und trotzdem amüsant beschreibt Till Burgwächter in „Aufs falsche Pferd gesetzt“ seine Erfahrungen mit Tourmanagern. Dabei arbeitet er insgesamt sechs Ausschlusskriterien für die Auswahl von Tourmanagern heraus. Die ein oder andere Band wird hier womöglich ihren eigenen Tourmanager beschrieben finden und das Ganze mit einem lachenden und einem weinenden Auge lesen. Wie auch den anderen Autoren gelingt es Till Burgwächter, ernste Inhalte in einer sehr amüsant zu lesenden Form rüber zu bringen. Zu den literarischen Highlights des Buches zählt ohne Zweifel der Beitrag „Die Metalböbel“ von Michael-El Goehre. Dieser Beitrag in Anlehnung an die Bibel strotzt nur so vor Anspielungen auf Metalbands und Themen und gipfelt in dem Gebet, das ein jeder Metal-Fan kennen sollte: „Das Metalunser“. Gewisse „Vorkenntnisse“ in Sachen Heavy Metal sind hier aber Pflicht, sonst versteht der Leser womöglich den ein oder anderen Gag nicht.

Optisch macht das Büchlein auch einiges her. Insbesondere das wie ein Festivalplakat gestaltete Cover sticht sofort ins Auge und verleiht diesem Werk einen würdigen Rahmen. Bilder sind dafür keine enthalten. Die Beiträge sprechen aber für sich und zu Beiträgen wie „Wurstgefuchtel“ reicht auch schon das durch die dort enthaltenen Beschreibungen entfachte Kopfkino vollkommen aus. Manchmal ist weniger eben mehr.

Fazit: Wer also Metal Fan ist und das Lachen noch nicht gänzlich verlernt hat, für den bietet dieses Buch jede Menge kurzweiligen Lesestoff. Alle Nicht-Metal-Fans (soll es ja geben…) bekommen zumindest einen lebhaften Einblick in die Szene und können danach wahrscheinlich die Faszination für diese Musik und dieses Lebensgefühl besser verstehen.

Verlag: Verlag Andreas Reiffer
Umfang: 152 Seiten
ISBN: 978-3-945715-66-6
VÖ-Datum: März 2015
Webseite: http://www.verlag-reiffer.de

Rezension: Karsten Henze

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