CD Rezension: Vyre – The Initial Frontier Pt. 2

Die Avantgarde Black Metal Band Vyre konnte bereits mit dem ersten Teil ihres Debüts „The Initial Frontier Pt. 1“ für mächtig Wirbel sorgen. Vyre verpacken ihre Botschaften in Science-Fiction Themen und bombastische Metal Sounds. Mit ein wenig Verspätung geht nun der zweite Teil „The Initial Frontier Pt. 2“ an den Start. Beide CDs bilden sowohl musikalisch als auch inhaltlich eine Einheit. Die Band hat sich für diese Zweiteilung entschieden, um kein bereits produziertes Material weglassen zu müssen. Eine gute Entscheidung, kann man bereits nach dem Genuss der ersten CD sagen. Die Songs sind atmosphärisch und teils sehr lang, aber verlieren niemals den roten Faden. Auch der zweite Teil des Debüts hat inhaltlich und optisch viel zu bieten. Es lohnt sich, auch die Texte und die dazu passenden Artworks näher zu betrachten.

Diesmal nehmen Vyre den Hörer zunächst mit in die schwarze Tiefsee. Der erste Song „Naughtylus“ berichtet, ein wenig mit dem erhobenen Zeigefinger, von einer zerstörten Umwelt und giftigem Abfall im Meer. In dieser Giftbrühe schwimmt das besagte U-Boot, lauernd, wartend… Der Songtitel ist dabei interessanterweise offenbar eine Mischung aus dem englischen Wort „naughty“ (böse) und „Nautilus“ (dem fiktivem Unterseeboot aus Jules Vernes Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer). Die dichte Atmosphäre des Songs ist wahrlich greifbar. Einerseits verkörpert der überwiegend langsame Mid-Tempo-Rhythmus die vermeintliche Stille der Tiefsee. Andererseits wirken die aufbrausenden Hyperblast-Parts dazwischen extrem bedrohlich. Etwas könnte sich aus der Tiefe erheben und Rache nehmen wollen für die Zerstörung der Umwelt. Mit dem zweiten Song „Diabolum ex machina“ spielen Vyre auf den Begriff „Deus ex machina“ an und verkehren ihn ins Gegenteil. Während „Deus ex machina“ einen unerwartet, im richtigen Moment auftauchenden Helfer beschreibt, ist „Diabolum ex machina“ der unerwartete Niedergang. Der Song beschreibt eine kalte Maschinenwelt, die auf einem dunklen Planeten den Lauf der Zeit bestimmt, während in einer anderen Welt eine Hochkultur ihr unausweichliches Ende findet. Mit donnernden Stakkato-Riffs folgt „RDR66“. Neben brachialen typischen Black Metal Vocals bietet der Song auch sehr teils melodische Gesangspassagen. Der Text berichtet vordergründig von der Erstehung eines neuen Erlösers aus den Wirren eines Krieges von Menschen und Maschinen. Bei genauer Betrachtung wirft er aber auch die Frage auf, ob es wirklich besser ist das unausweichliche Ende des Lebens zu verleugnen. Es ist geradezu philosophisch, was Vyre in ihre Texte packen. Bevor das Album mit „Neuronenstern“ endet, streuen Vyre mit „For Carl“ noch ein knapp 10 Minuten langes Instrumental ein, das mit einem monumentalen Orchesterpart, kraftvollen Metal-Klängen und jeder Menge Abwechslung aufwartet. Der „Neutronenstern“ ist nicht nur das Endstadium eines Sterns, sondern auch der letzte Song dieses außergewöhnlichen Albums. Vyre mischen hier englische und deutsche Vocals. Das ist nicht zufällig, sondern betont die zwei Bedeutungsebenen des Songs, einmal der Neutronenstern als solcher aber auch der Vergleich zu einer Diktatur, die mit dem Tod ihres Diktators untergeht.

Vyre ist es auch mit „The Initial Frontier Pt. 2“ gelungen, auf der ganzen Linie zu überzeugen. Beide Teile zusammen sind ein Debüt, bei dem man sich wohl zurecht fragen muss wie sie Jungs das noch toppen wollen. Man darf jedenfalls gespannt sein. Es wird mit Sicherheit nicht das letzte Album von Vyre sein.

Anspieltipps:
Naughtylus
Neutronenstern

Tracklist:
01. Naughtylus
02. Diabolum ex machina
03. RDR66
04. For Carl
05. Neutronenstern

Label: Supreme Chaos Records
Format: Audio-CD
Genre: Avantgarde Black Metal
VÖ-Datum: 05.12.14
Webseite: http://www.vyre.de

Rezension: Karsten Henze

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